Mit 99 Kurven in den Feierabend

Kleine Wellen treffen rechts von mir auf die Steine am Seeufer – die Steine, die die Strasse mit einer natürlichen Linie vom Vierwaldstättersee trennen. Links ragt eine steile Felswand in die Höhe – die Grundpfeiler der Rigi. Das Tacho meiner Kawasaki Z900 zeigt 87 km/h. So kann der Feierabend starten.

Die Rigi-Runde in Zahlen:

  • Dauer: 1h 30 min
  • Länge: 68 km
  • Schwierigkeitsgrad: Einfach
  • Kurven: 99
  • Verkehr: Am Wochende viel, unter der Woche mittel
  • Strassenzustand: Ohne Baustellen einwandfrei
  • Panorama: Vierwaldstättersee, Rigi, Bürgenstock, Pilatus, Buochserhorn, Wildspitz, Uristock, Fronalpstock, Mythen, Lauerzersee, Zugersee, Zuger Berg
  • Restaurant: Caffee am Schifftssteg in Brunnen

Die Runde um die Rigi ist kein Heimweg. Sie ist ein Portal aus dem Arbeitsalltag in den Feierabend. Ein 68 Kilometer langes Portal mitten durch die Zentralschweiz – gesäumt von Bergen, Seen, idyllischen Dörfern und 99 abwechslungsreichen Kurven.

Die Route: Von Meggen bis Brunnen und zurück – 68 Kilometer pure Fahrfreude

Es ist später Nachmittag in Meggen. Das Licht wird weicher, das Abendgold beginnt, seine Schönheit über dem Vierwaldstättersee zu entfalten. Der Blick auf den Küssnachter Arm des Sees, rechts das satte Grün der Wiesen, links ragt der Pilatus am Horizont empor. Meine Lederkombi sitzt. Mein Helm klickt. Erster Gang rein und los geht’s.

Die ersten Kilometer verlaufen geschmeidig. Eine 80er-Zone, leicht geschwungene Kurven – das Warmfahren, wie es im Buche steht.

Küssnacht empfängt mich mit seinem dörflichen Charme: Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuser, blühende Blumenkästen. Ich rolle entspannt, mein Blick geht hoch zur Rigi. Der Hausberg der Zentralschweiz ist heute das Zentrum meines Kompasses. Alles dreht sich um sie.

Hinter Küssnacht beginnt das Motorradherz höher zu schlagen – der Abschnitt nach Weggis. Die Strasse steigt leicht an, ich schalte runter. Die Kawasaki Z900 schnurrt unter mir – sportlich, aber nicht aufdringlich. Ich liebe dieses Motorrad für genau diese Mischung: Kraft in den 80er-Zonen, Agilität in engen Kehren und ein Fahrwerk, das nicht jedes Schlagloch in den Rücken hämmert.

Weggis. Das Abendlicht bricht sich auf dem Wasser. Der See spiegelt den Pilatus, der jetzt ganz nah erscheint – als würde die Strasse direkt in sein Massiv führen. Der leichte Wind bringt eine Brise Sommer, Heu und See. Ich fahre weiter Richtung Vitznau, immer direkt am Ufer entlang. Rechts die schimmernde Wasserfläche, links ragen die Felsen der Rigi steil auf. Die Kurven hier sind keine Herausforderung – sie sind ein Genuss.

«Die Route ist besonders geeignet im Frühling, weil sie nicht hoch liegt und die Strassen dadurch schnell warm und trocken sind», sagt Sandro – und bringt es auf den Punkt.

Weit gezogene Bögen legen sich wie eine Schlange um die Bergflanke. Im Rückspiegel: der Bürgenstock.

Vitznau lasse ich hinter mir – jetzt wird es enger. Die Kurven werden kürzer, technischer. Hier beginnt mein persönliches Highlight der Strecke. Die Z900 zeigt, was sie kann. Ich muss nicht viel schalten – der Durchzug im mittleren Bereich reicht. Die Reifen kleben am Asphalt. Die 80er-Zonen in ihrer schönsten Form. Und hinter dem See erhebt sich das Buochserhorn, ruhig und mächtig, als würde es über diese filmreife Szenerie wachen.

Pause in Brunnen – ein Kaffee mit Aussicht

Brunnen. 32 Kilometer geschafft – mindestens so viele liegen zum Glück noch vor mir. Ich rolle langsam Richtung See. Direkt beim Schiffssteg liegt ein kleines Café. Motorrad abstellen, Helm abnehmen, Sonnenbrille aufsetzen – es ist Zeit für eine Stärkung.

Vor mir das Wasser, dahinter die Berge der Zentralschweiz: Fronalpstock, Mythen – das Panorama ist zum Greifen nah. Ein Kursschiff legt an, Möwen kreischen, ich atme tief durch. Der perfekte Ort, um kurz anzuhalten und einfach zu sein.

Rückweg: Über den Lauerzersee zurück nach Meggen

Nach der Pause geht es weiter – die Rückseite der Rigi ruft. Die Strasse führt mich über den Lauerzersee, vorbei an Arth, wo sich der Blick auf den Zugersee öffnet. Die Sonne steht tief. Goldenes Licht flutet die Strasse, kleine Wellen lassen den See glitzern. Kurve um Kurve führt mich die Strasse nach Immensee und zurück nach Küssnacht.

Hinter mir leuchtet der Wildspitz, zur Rechten zieht der Zugerberg an mir vorbei. Die Z900 gleitet fast schwerelos durch die letzte Etappe. Zurück in Meggen – 68 Kilometer und 1,5 Stunden später. Die Sonne verschwindet hinter den Hügeln. Es war keine sportliche Herausforderung, keine epische Alpentour. Aber es war perfekt. Eine Feierabend-Ausfahrt, wie sie im Buche steht.

Eine graue Kawasaki Z900 fährt am Vierwaldstättersee.

Fazit: Feierabend mit Aussicht

Diese Runde ist mehr als eine Motorrad-Tour. Sie ist eine Einladung an alle, die das Leben auf zwei Rädern feiern. Für alle, die wissen, was es bedeutet, wenn die Strasse ruft und der Abendhimmel in warmem Orange glüht.

Die Tour ist einfach zu fahren, aber niemals langweilig. Die Strassen – abgesehen von gelegentlichen Baustellen – sind in gutem Zustand. Unter der Woche ist kaum Verkehr. Und mit einem Motorrad wie der Kawasaki Z900, die Wendigkeit, Leistung und Komfort ideal vereint, wird jeder Kilometer zum Genuss.

Sandro bringt es auf den Punkt: «So in der Nähe gibt es kaum schönere Kurven und bessere Aussicht.»

Wer also eine Feierabend-Runde mit Panorama, See, Bergen und Kurven sucht, sollte sich diese Route um die Rigi nicht entgehen lassen.

Also: Lederkombi an, Maschine starten – und losfahren. Die 99 Kurven warten. Auf dich.