Ist das noch Motorradfahren oder schon mehr Gamen?
Schalten mit Zeigefinger und Daumen, Boost-Auslöser am Lenker und automatisches Runterschalten – das klingt mehr nach einem Gaming-Controller als nach einem Motorrad. Wie viel hat die Kawasaki Ninja 7 Hybrid noch mit dem uns bisher bekannten Motorradfahr-Erlebnis zu tun?

Heute ist ein spannender Tag: Ich lerne eine für mich völlig neue Antriebstechnik in einem Motorrad kennen. Ich treffe Sandro vor dem Verkaufslokal von LeupiMoto. Und da steht sie auch schon: Die Kawasaki Ninja 7 Hybrid. Mein erster Eindruck? Sie wirkt wie eine langgezogene Ninja 650. Er zeigt mir das Hybrid-Motorrad bis ins Detail und erklärt mir das anfangs etwas gewöhnungsbedürftige Handling, bevor es auf die Strasse geht.

Technische Daten
Das erste schwere Hybrid-Motorrad für die Strasse kombiniert einen 451 cm3-Zweizylinder-Motor mit einem Elektromotor. Kombiniert gibt das eine Leistung von 51 kw bzw. 69 PS – davon 59 PS aus dem Verbrenner- und 10 PS aus dem E-Motor. Das maximale Drehmoment liegt bei 60.4 Nm bei 2’800 Umdrehungen pro Minute. Eingeteilt wird die Leistung in 6 Gänge. Die Batterie wird beim Fahren aufgeladen und muss nicht per Steckdose mit Energie versorgt werden.
Die Ninja 7 bringt satte 250 kg auf die Waage. Das hohe Gewicht ist hauptsächlich der schweren Batterie für den Elektro-Motor geschuldet. Und ja – mein erster Eindruck täuschte nicht: Mit einer totalen Länge von 2’145 und einem Radstand von 1’535 Millimetern ist sie deutlich länger als etwa die Ninja 650 (2’115 und 1’410mm). Der Verbrauch kann sich wirklich sehen lassen: Laut Herstellerangaben beläuft sich dieser im sparsamen Eco-Modus gerade mal auf 3,7 Liter auf 100 Kilometer.

Das Schalten
Im Schalten unterscheidet sich die Hybrid-Maschine am meisten von herkömmlichen Motorrädern. Im Eco Modus schaltet die Ninja 7 automatisch. Alternativ kannst du auch im Eco-Modus selbst schalten. Das manuelle Schalten erfolgt nicht mit dem linken Fuss, sondern mit der linken Hand. Unterhalb vom linken Griff befindet sich der Knopf zum Runterschalten. Dieser wird, wie der Blinker oder die Hupe, mit dem Daumen bedient. Hochgeschalten wird mit dem Zeigefinger vorne am Griff. Kupplung gibt es keine.
An der Ampel reicht es, vom Gas zu gehen, in den ersten Gang zu schalten und die Bremsen zu drücken.

Die Fahr-Modi
Neben den Fahrmodi Sport und Eco, die heutzutage in der Motorrad-Welt schon längst keine Seltenheit mehr sind, hat die Hybrid-Kawasaki einen Elektro- und sogenannten Walk Mode.
Der Elektro-Modus schaltet den Verbrenner komplett aus. Dieser bringt dich rein elektrisch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h 12 km weit. Bei aufgewärmtem Motor kommt der Verbrenner im Eco-Modus erst bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h in den Einsatz. Das Gefühl beim Starten im Elektro-Modus ist besonders: Da das Motorrad keinerlei Geräusche von sich gibt, fühlt es sich nicht so an, als wäre es eingeschaltet. Dabei musst du darauf achten, dass nicht du oder jemand anders am Gas dreht. Nun zum Walk Mode: Das Prinzip ist simpel. Stell dir vor du bist in einem Parkfeld und musst eine 250 kg schwere Maschine rückwärts rausstossen. Ganz schön anstrengend. Das übernimmt der Walk Mode für dich. Per Gas-Hebel befördert er dich ganz bequem rückwärts aus jeder Parklücke.

Der Boost-Auslöser
Mit dem rechten Daumen kann per Boost-Auslöser einen extra Schub an Motorleistung abgerufen werden. Falls du in einem zu hohen Gang aus einer Kurve oder einem Kreisel kommst, kannst du mit dem Boost diesen Fehler auskorrigieren. Das ganze Potenzial entfaltet sich, wenn du im richtigen Gang bist und dazu den Boost drückst. Beschleunigungstechnisch bist du dann auf dem Level von 1000 cm3-Supersportlern angekommen. Auch eine Launch Control ist an Board.

Fazit
Die Kawasaki Ninja 7 Hybrid ist kein Motorrad für Traditionalisten. Falls du allerdings offen für neue Technologien bist und einen Allrounder suchst, könnte die Ninja 7 ein echter Volltreffer sein. Mit dem Walk Mode und dem automatischen Getriebe erleichtert sie dir den Alltag erheblich. Auf der Pass-Tour lassen die Launch Control, der Sport-Modus und der Boost-Knopf den Spass nicht zu kurz kommen.
Ein weiteres sehr attraktives Argument ist das Verhältnis von der Leistung eines schweren Supersportlers zum Verbrauch auf dem Niveau eines 250 cm3-Motorrads.
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